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Aus unseren Sitzungsprotokollen:

«Es knirscht bei den FotografInnen. Die Differenzen sind erheblich, und die einfache Gesellschaft Kontrast hat nicht viele Mittel, um sie zu lösen. Während die einen die Ateliergemeinschaft durch mehr Qualität voranbringen wollen (‚Utopie mues sii’), sind die anderen zufrieden, wenn ihnen Kontrast eine Heimat ist.»
16. Dezember 1996

 

 

«Ursi Schachenmann lüftet ihr Geheimnis, dass sie in jedem grösseren Text einen Satz von Joseph Roth versenkt.»
23. März 1997

 

 

«Kontrast wird bald 10 Jahre alt, und unsere Küche sieht aus, als würde sie von 10-Jährigen benutzt.»
26. Oktober 1998

 

 

«Koni Nordmann teilt mit, dass er das Bürovelo mit nach Hause nimmt. Es versteht ihn niemand, aber er tut es trotzdem.»
28. März 2000

 

Fabrikzeit — Kontrast in Krise: Wir brauchen Betriebspsychologie

 

Die Küche benutzen wir allerdings nicht allzu oft; denn auf dem Maag-Areal gibt es eine Kantine, die wir mehr und mehr zu schätzen beginnen. Die Menüs sind bodenständig und auf Handwerker ausgelegt, zudem herrscht eine Zweiklassen-Gesellschaft: Wer – wie manchmal Christian Schmidt – einen Overall trägt, muss auf anderen Stühlen Platz nehmen als das Büropersonal.

 

Bald gewöhnen wir uns auch daran, dass das Jahr hier nur zwei Jahreszeiten hat: Vom Frühling bis in den Herbst bietet die Maag-Kantine Erdbeertörtli als Dessert an, vom Herbst bis in den Frühling Vermicelles.

 

Am neuen Ort professionalisieren wir uns weiter. Neben seiner Aufgabe als Lehrer an der Grafikklasse der Schule für Gestaltung und Kunst spezialisiert sich Martin Peer auf die Produktion von Tonbildschauen. Peter Pfrunder beginnt sich immer mehr als Buchautor zu betätigen, währenddem Frederic Meyer Südamerika zu seinem Reportagen-Spezialgebiet macht und Christian Känzig sich in die Innerschweizer Berge vergräbt, um das Buch «Das Muototal. Ein Kulturprofil» zu erarbeiten.

 

Die Stimmung unter den Members ist jedoch nicht immer gut. Wir arbeiten zwar unter einem Dach, gehen aber unsere eigenen Wege. Es gibt Phasen, da sind wir nur mehr eine Zweckgemeinschaft ohne inneren Zusammenhalt. Koni Nordmann macht in dieser Krisenzeit eine «Betriebspsychologische Bestandesaufnahme». Es ist ein dicker Fragenkatalog zum Thema, wie wir uns in unserer Firma fühlen und was wir da eigentlich wollen. Zwar humoristisch angelegt treffen die Fragen den Kern der Sache, zwingen zum Nachdenken und zu Diskussionen.

 

Die Auseinandersetzung reinigt und läutert. Gleichzeitig zeigen sich aber die ersten Anzeichen dafür, dass das Medienwesen bald einmal zu einem Problemwesen werden wird und auch nur beschränkt Entwicklungsmöglichkeiten zulässt.

 

Schliesslich ist Koni Nordmann der erste, der mit den Unzulänglichkeiten und dem Kleingewerblertum nicht mehr glücklich ist. Auch der Erfolg seines Fotobandes «Aids-Zeit. Ich kann nicht mehr leben wie ihr Negativen» hält ihn nicht davon ab, die Fotografie je länger desto mehr zurückzustellen. Ursi Schachenmann als Schreiberin sieht sich in derselben Lage.

 

 

 

up weiter mit: Fabrikzeit – Eine neue Ära: Der Verlag KONTRAST
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