Wir selbst staunen wahrscheinlich am meisten: Kontrast
besteht tatsächlich schon seit 20 Jahren. Ende 1989
gegründet, ist es uns gelungen, zwei Jahrzehnte zusammen zu
bleiben und dabei schöne und unschönere Zeiten zu queren.
Während sich das Privatleben vieler Mitglieder in dieser Zeit
funkensprühend veränderte, sind wir uns und unserem Atelier
treu geblieben. Kontrast entpuppte sich dabei immer wieder als Achse
des Lebens, als Konstante, als Ort, den man abends nur verlässt,
um am nächsten Morgen freudig wieder zurückzukehren.
Kontrast - das ist eine Erfolgsgeschichte, menschlich wie beruflich.
Darüber hinaus ist das Atelier mit nun 20 Jahren auf dem Buckel
auch so etwas wie unser Lebenswerk. Wir schreiben und fotografieren
nicht nur, wir machen nicht nur Bücher und Kunst, wir haben
auch eine Institution geschaffen. Kontrast ist der Beweis, dass
ein Dutzend Freelancers ein eigenes kleines Universum aufzubauen
vermögen: einen Ort mit einer einzigartigen Arbeitsstimmung,
ebenso konstruktiv wie produktiv, gleichzeitig in persönlicher
Verbundenheit wie auch maximaler Freiheit.
Darauf sind wir stolz, und deshalb machen wir auch noch etwas weiter.
Gründerzeit — Kontrast
an der Hardturmstrasse 116
Kreativität. Professionalität. Kollegialität. Selbstbestimmung. – Über diese Stichworte denken Journalistin Heidi Stutz und Fotograf Giorgio von Arb im Sommer 1987 auf einer Reportage in Pakistan nach, mit der Absicht, sie als künftige Arbeitsperspektive unter einen Hut zu bringen.
Deshalb suchen sie nach gleichgesinnten Freelancern, die alles anders machen wollen, zusammen aber doch das Gleiche, die unter einem gemeinsamen Dach arbeiten, aber eigene Projekte verfolgen, die sich nicht in den Büros eines Zeitungsverlags verdingen, aber gleichzeitig ihre eigene Redaktion sind, die nicht unter Druck von oben stehen, sondern nur unter dem eigenen, die zwar im Auftrag arbeiten, aber gleichzeitig die eigenen Chefinnen und Chefs sind.
Es ist eine gute Zeit dafür. Die Magazine sind dick, die Portefeuilles der Werbeagenturen gefüllt und auf den Redaktionen besteht ein Mangel an aussergewöhnlichen Themen. Gleichzeitig zieht sich die Industrie mehr und mehr aus der Stadt zurück, weshalb leerstehende Fabrikhallen günstig zu mieten sind.
Doch bis Stutz und von Arb ihre Idee umsetzen können, dauert es zwei Jahre. Zu misstrauisch sind die Hausbesitzer gegenüber dem unkonventionellen Haufen von Freelancern, der sich schon bald auf die Suche nach geeigneten Räumen macht. Erst im Herbst 1989 ist es soweit. Wir mieten an der Zürcher Hardturmstrasse einen fast 300 Quadratmeter grossen Raum auf dem Schoeller-Areal. Auf die Webmaschinen folgen Nadeldrucker.
Wir legen selbst Hand an. Wir putzen, wir streichen, wir suchen Mobiliar zusammen. Und bei Wein und Pizza wird der Name des Medienateliers diskutiert. «Zatopek» nach dem tschechischen Langstreckenläufer und Favorit von Christian Känzig ist gut im Rennen; «Magenta» steht zur Diskussion, ebenso «Trabant», «MedienLabor» und «Atelier Publitzer», was sich irgendwo und irgendwie bei der Swisscom (damals noch PTT) eingenistet hat und bis vor kurzem über einzelnen Telefonrechnungen stand.
Schliesslich gewinnt aber «Kontrast». Denn: Wir heben uns ab. Wir machen es anders.
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