. Seit 15 Jahren betreut die Gartendenkmalpflege historische Anlagen, vorwiegend aus der Zeit des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In zwölf ausgewählten Porträts zeigt das Buch auf, mit welchen Mitteln die historisch wertvolle Substanz von Gärten auch für kommende Generationen erhalten wird. So unterschiedlich wie die Probleme, die sich in städtischen Parks ergeben, gestalten sich die Lösungen. Diese werden von unabhängigen Expertinnen und Experten kritisch gewürdigt. Dadurch entstand ein lebendiger, für Gartenliebhaber und die Fachwelt aufschlussreicher Dialog.
Den Zauber und Charme der Gärten hat der Fotograf Giorgio von Arb in stimmungsvollen, grossformatigen Schwarzweiss-Aufnahmen festgehalten.
– Bad Allenmoos
– Arboretum
– Bäckeranlage
– Villa Bleuler
– Freigut
– Friedhof Sihlfeld
– Kreuzkirche
– Platzspitz
– Rieterpark
– Villa Patumbah
– Villa Schönberg
– Villa Tobler

FORTSETZUNG BUCHBESCHRIEB | 12 GÄRTEN

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02 Arboretum
03 Bäckeranlage
04 Freigut
05 Kreuzkirche
06 Villa Patumbah
07 Platzspitz
08 Rieterpark
09 Fiedhof Sihlfeld
10 Kornblumenblau und Abricot
11 Materialien zu den 12 Gärten
12 Materialien - Villa Bleuler
01 Bad Allenmos

EINBLICKE |12 GÄRTEN

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Gartendenkmalpflege – eine Pionierfachstelle in Zürich
von Judith Rohrer

Als vor 15 Jahren am 1. Januar 1989 das Büro für Gartendenkmalpflege im damaligen Gartenbauamt der Stadt Zürich die Arbeit aufnahm, betrat es schweizweit Neuland. Kaum jemand konnte sich konkret vorstellen, womit sich diese von Walter Frischknecht betreute Fachstelle beschäftigte.
Heute ist die Gartendenkmalpflege als Disziplin in allen grösseren Gartenbauämtern der Schweiz verankert, und viele Landschaftsarchitekturbüros bieten ihr Können im Umgang mit historischen Gärten an. In Zürich ist die Gartendenkmalpflege eine gefestigte Institution geworden.
Die Stadt besitzt einige gartenhistorische Schmuckstücke, vor-wiegend aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, welche als lebendige Zeitzeugen durchlebte Geschichte verkörpern und insgesamt eine grosse Bereicherung für Zürich darstellen. Sie auch weiteren Generationen zu erhalten und doch mit heutigem Leben zu füllen, gehört zur Kernaufgabe der Gartendenkmalpflege.

Am Anfang stand das Inventar

Wichtige Triebfeder für die Schaffung der Gartendenkmalpflegestelle 1989 war das Mitte der siebziger Jahre überarbeitete Zürcher Planungs- und Baugesetz. Erstmals wurde unter dem Titel «Natur- und Heimatschutz» das Erstellen von Inventaren gefordert – und Parkanlagen waren explizit mit eingeschlossen. Für alle in der Denkmalpflege tätigen Personen ist das Inventar die Basis ihres Handelns. Es ermöglicht den Überblick über potenzielle Schutzobjekte und erlaubt, die Bedeutung einzelner Objekte schnell und richtig zu beurteilen. Weshalb fiel die gesetzliche Verpflichtung, Inventare zu erlassen, gerade in Zürich auf fruchtbaren Boden? Als die Stadtzürcher Denkmalpflege 1986 nach mehrjähriger Arbeit ihr Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte abschloss, hatte dieses Vorbildfunktion. Es reifte die Erkenntnis, dass Gärten, die zu historischen Gebäuden gehören, nicht pauschal als «Umschwung» zu würdigen sind, sondern dass der Aussenraum das Ensemble erst vollständig macht und deshalb mit gleicher Sorgfalt zu beurteilen ist.
Die Stadt erwarb in den frühen achtziger Jahren verschiedene Villen des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit Parkanlagen, die nach Gartendenkmalpflege verlangten. Engagierte Mitarbeiter des Gartenbauamtes und fachlich versierte Privatpersonen drängten darauf, für Zürich ein Garteninventar zu erstellen. Das Anliegen wurde auf politischer Ebene unterstützt, die nötigen Mittel wurden zur Verfügung gestellt, so dass zwei Gartenhistorikerinnen die grosse Arbeit in Angriff nehmen konnten: systematische Begehungen, Auswertung von Luftbildern, Vergleiche mit dem Inventar der Denkmalpflege und Zuhilfenahme früherer Grundlagenarbeiten. Sie stellten ein Inventar mit rund 850 Objekten zusammen, und im Juli 1989 setzte es der Stadtrat in Kraft. Ein griffiges Instrument der Gartendenkmalpflege war geschaffen; fast gleichzeitig nahm die Fachstelle ihre Arbeit auf. Ihre hauptsächlichen Aufgaben sind Schützen, Pflegen und Beraten.

Gartenkultur schützen
Die schwierigste und leider auch von vielen Rückschlägen begleitete Aufgabe ist das Schützen inventarisierter Anlagen, die in Gefahr geraten. Die Gartendenkmalpflege schützt nicht auf Vorrat, sondern wird erst aktiv, wenn ein Baugesuch einen inventarisierten Garten oder Teile davon gefährdet. Die Bauherrschaft und der Architekt werden über den gartenhistorischen Wert der Anlage und die Folgen des geplanten Eingriffs informiert. Durch eine fundierte Beratung können schutzwürdige Teile eines Gartens oftmals erhalten werden, sei es durch geschicktere Platzierung oder Redimensionierung des Bauvorhabens. Droht der Verlust eines Inventarobjektes, veranlasst die Gartendenkmalpflege eine sogenannte Schutzabklärung, welche den Schutzwert der Anlage aufgrund eines Fachgutachtens definiert. Der Stadtrat entscheidet darüber, ob der Garten definitiv geschützt und die Bauherrschaft entsprechend entschädigt wird oder ob der Garten aus dem Inventar zu entlassen ist. Eine finanzielle Entschädigung kann auch in die Millionen gehen, und so sind integrale Unterschutzstellungen privater Gärten oft schwierig.
Anders die städtischen Parkanlagen. Durch den Inventareintrag hat sich die Stadt grundsätzlich für den Schutz der Anlagen aus-gesprochen. Veränderte Nutzungsansprüche oder Bauvorhaben an Gebäuden führen jedoch immer wieder zu Konflikten. Dabei hat die Gartendenkmalpflege ein wichtiges Wort mitzureden, erst ein politischer Entscheid kann ihren Einfluss unterbinden – wie beim geplanten Ausbau des Landesmuseums im Platzspitzpark.

Historisch wertvolle Substanz pflegen
Mit dem Schutz einer Anlage ist erst der Grundstein zu deren Erhaltung gelegt. Nun gilt es, ein Gartendenkmal so zu pflegen, dass sich die Vegetation trotz steter Entwicklung im Sinne ihrer Gestalter entfaltet. Es liegt im Wesen des Gartens, dass kein Zustand von Dauer ist. Die Pflege der Pflanzen erfordert Fachkenntnis und Weitsicht. Früher wurden Parkanlagen jahrzehntelang vom selben Villengärtner betreut. Heute muss der fehlenden Konstanz in der Pflege mit einem Hilfsmittel begegnet werden, dem Parkpflegewerk. Es ist ein international gebräuchliches Instrument und hat zum Ziel, für eine historische Anlage ein Pflegeleitbild zu entwickeln, das ungeachtet wechselnder Zuständigkeiten in die Tat umgesetzt werden kann.
Im Parkpflegewerk festgehalten sind die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Anlage, dann die Bewertung des aktuellen Zustands und der Schutzwert sowie das Pflegeleitbild, nach dem die Parkanlage weiter gepflegt werden soll.
Die Zeit spielt im Garten eine zentrale Rolle. Bäume brauchen Jahrzehnte, um die beabsichtigte Raumwirkung zu entfalten. Auch die Wahl der Pflanzen ist ein wichtiges Thema, denn auch sie unterliegen Modetrends. Der Charakter einer Anlage kann nur erhalten bleiben, wenn der Ersatz für abgestorbene Pflanzen gleichwertig ist. Lebhaft in Erinnerung sind die hitzigen Diskussionen Anfang der neunziger Jahre, als im Zuge der Öko-Bewegung gefordert wurde, in den reich mit fremdländischen Gehölzen ausgestatteten Landschaftsparks nur noch einheimische Bäume nachzupflanzen. Ein wichtiges Charakteristikum des späten Landschaftsgartens wäre damit verloren gegangen.
Parkpflegewerke soll es künftig für alle städtischen Parkanlagen geben. Noch klappt aber die Umsetzung der Parkpflegewerke nicht überall im gewünschten Mass. Die beste Garantie dafür ist heute wie damals, dass engagierte Fachleute als eigentliche Villengärtner arbeiten können. Grün Stadt Zürich beschäftigt insgesamt drei solche Gartenspezialisten, zwei im Seefeld und einen in der Enge.

Beratend zusammenarbeiten
Die Gartendenkmalpflege ist die kleinste Fachstelle von Grün Stadt Zürich. Die beiden Landschaftsarchitektinnen Judith Rohrer und Silvia Steeb teilen sich die Stelle. Um all die vielfältigen Aufgaben bewältigen zu können, arbeiten sie eng mit anderen Fachleuten zusammen. In ihrem Auftrag erarbeiten spezialisierte Landschaftsarchitekturbüros Parkpflegewerke und Sanierungsprojekte, Historiker und Kunsthistorikerinnen übernehmen die Grundlagenforschung. Bei der Alltagsarbeit sind Fachleute der städtischen und kantonalen Denkmalpflege Partnerinnen und Mitstreiter, während das Institut für Denkmalpflege an der ETH sie in wissenschaftlicher Hinsicht unterstützt.
Am wichtigsten jedoch ist die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden von Grün Stadt Zürich, allen voran mit den Gärtnerinnen und Gärtnern. Dank gegenseitiger Akzeptanz, Fachkompetenz und viel Engagement ist die Gartendenkmalpflege heute fest im Bewusstsein der Pflegeteams städtischer Parks verankert und gut integriert.

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Rekonstruktion und Rettungsversuch
von Judith Rohrer

Der seit 1929 zweigeteilte Landschaftspark der Villa Patumbah beschäftigt die Gartendenkmalpflege seit vielen Jahren. Als Pilotprojekt wurden auf der südlichen Parkhälfte, die seit 1977 der Stadt gehört, erste gartendenkmalpflegerische Versuche unternommen. Die eigentliche Rekonstruktion dieses Parkteils erfolgte dann Ende der achtziger Jahre. Das grosse Ziel jedoch, die Wiedervereinigung beider Parkhälften, ist trotz jahrelanger Bemühungen ein weiterhin Wunschtraum.

Der überraschende Erfolg der Initiative «Pro Patumbah-Park», welche 1985 zur Abwendung eines Altersheim-Neubaus die Umzonung der städtischen Parkhälfte in die Freihaltezone forderte, ebnete den Weg für die Gartendenkmalpflege. Zwar erkannten nur geübte Augen im verwilderten und stark vereinfachten Parkteil die Spuren einstiger Pracht, aber mit Hilfe von originalen Gartenplänen, historischen Aufnahmen aus dem 19. Jahrhundert und Aussagen von Personen, die den Park schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gekannt haben, konnte die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Patumbah-Parks genau nachvollzogen werden. Sondierschlitze im Rasen förderten Kofferungsreste ehemaliger Kieswege zu Tage, die belegten, dass das brezelartig geformte Wegnetz auf den Plänen tatsächlich so bestanden hatte. Auch die kunstvolle Topografie des Landschaftsparks war unverändert erhalten, und die originalen Baumgruppen waren inmitten der wild gewachsenen Gehölze noch zu erkennen.

1988 begannen die eigentlichen Arbeiten im Park: Das Wegnetz wurde rekonstruiert, das Wasserbecken dem nicht mehr rettbaren Original nachgebaut, der Baumbestand ausgelichtet, und die Sichtachsen auf Villa und Umgebung wurden wieder freigelegt. Besonders anspruchsvoll war die Neupflanzung der nach dem Originalplan des Gartenkünstlers Evariste Mertens wiederhergestellten Beete. Der Plan bot nur rudimentäre Anhaltspunkte. So mussten die Stauden- und Schmuckpflanzungen aufgrund besser dokumentierter, verwandter Gärten oder nach Pflanzkatalogen aus der Zeit zusammengetragen werden. Die Gartenkünstler des 19. Jahrhunderts waren Virtuosen in der Zusammenstellung spannungsvoller Hell-Dunkel-Kontraste, in der Kombination schöner Blattformen und Blütenfarben und im gekonnten Einsetzen von Duftpflanzen. All dies trug massgebend zur Stimmung im Garten bei und musste bei der Rekonstruktion berücksichtigt werden.

Nach Beendigung der Arbeiten an der städtischen Patumbah-Hälfte brauchte es viel gärtnerisches Geschick, um all diese feinen Nuancen und Stimmungen wieder zur Entfaltung zu bringen. Es gelang dank der Einrichtung einer Villengärtnerstelle. Seit 1990 pflegt Marcel Wächter – seit 2001 unterstützt von Maja Rathfelder – die Riesbacher Villengärten mit viel Sachverstand und Einfühlungsvermögen. Nur dank dieser kontinuierlichen und engagierten Pflege ist der anspruchsvolle Unterhalt des historischen Gartens mit den alten Hochstammrosen, den Wechselflor- und Schmuckstaudenbeeten und den üppigen Kübelpflanzen zu bewältigen.

Als 1988 mit der Rekonstruktion der städtischen Parkhälfte begonnen wurde, war man optimistisch, den noch privaten Parkteil gleich anschliessend erwerben zu können und mit dem städtischen zu vereinen. Leider kam es anders. Zu Beginn der neunziger Jahre kämpfte die Stadt mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen, allen voran der offenen Drogenszene. Die Investition eines zweistelligen Millionenbetrags zum Kauf eines halben Parks war indiskutabel. Die Gartendenkmalpflege gab aber nicht auf, da der private Parkteil – im Gegensatz zum städtischen – original erhalten geblieben war und sich die einmalige Chance einer Wiedervereinigung bot. 1995 erfolgte die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung zur Rettung des Patumbah-Parkes. Trotz jahrelangen Verhandlungen mit der Stadt, dem Kanton und potenziellen Investoren ist die Zukunft eines wiedervereinten Ensembles noch ungewiss.


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Rekonstruktion – Verlockung und Gefahr
von Dr. Brigitt Sigel
Institut für Denkmalpflege ETH Zürich

Seit ihren Anfängen in der Französischen Revolution ist es die Aufgabe der Denkmalpflege, materielle Zeugen der Geschichte zu erhalten, das heisst Objekte, die in vergangener Zeit von Menschenhand geschaffen wurden und die sich, gezeichnet von den Spuren durchlebter Zeit, bis heute erhalten haben.

Ein solcher Zeuge ist auch der Patumbah-Park. Er wurde in zwei Schritten angelegt: 1885 der hausnahe Schmuckgarten und 1890, nach dem Bau des Eisenbahntunnels Stadelhofen–Tiefenbrunnen, der landschaftliche Parkteil. Spuren durchlebter Zeit haben nicht nur die natürliche Alterung, sondern auch die Vereinfachung oder gar Aufgabe der Pflege hinterlassen: Bauliche Ausstattungselemente verfielen. Der unterbliebene Baumschnitt führte zu Veränderungen im Verhältnis von Gehölzvolumen und freien Flächen. Absterbende Bäume wurden zwar laufend durch Spontanvegetation ersetzt, die ursprüngliche Artenvielfalt ging dadurch aber verloren. Den hausnahen Gartenteil hat man gestalterisch vereinfacht und die aufwendigen Blumenpflanzungen aufgegeben. Zu den Spuren durchlebter Zeit gehören auch Ergänzungen wie die spätere Arrondierung des Grundstücks entlang der Mühlebachstrasse. Die tiefste Spur entstand durch den Verkauf der nördlichen Grundstückshälfte, denn die unterschiedlichen Schicksale der beiden Parkteile führten dazu, dass wir heute auf der einen Seite des trennenden Zauns ein zwar vernachlässigtes, aber authentisches Denkmal haben und auf der anderen Seite einen weit gehend rekonstruierten Garten.

Diese Rekonstruktion hat sich in den folgenden juristischen Auseinandersetzungen um die nördliche Parkhälfte als fatal erwiesen. Ihre Unterschutzstellung wurde nämlich auch in zweiter Instanz mit folgender Begründung abgelehnt: «Ein Objekt, das nicht nur renoviert, sondern rekonstruiert werden muss, damit es Zeugnis einer bestimmten kulturhistorischen Epoche ablegen kann, ist […] kein echter und erst recht kein wichtiger Zeuge.» Die jugendliche Frische und der perfekte Pflegezustand des rekonstruierten Parkteils haben die andere Hälfte buchstäblich zu einem Nichts degradiert – ein Missverständnis, das durch die unterschiedliche Gestaltungsart der beiden Parkteile (Schmuckgarten hier – landschaftlicher Park und Nutzgarten dort) wohl zusätzlich genährt wurde und nicht mehr aus der Welt zu schaffen war.

In Tat und Wahrheit ist aber der nördliche Parkteil ein «echter» und «wichtiger» Zeuge, denn Topografie, Bodenmodellierung, Gehölze, Wegnetz, Gewächshaus mit Heizanlage, Frühbeetkästen und Spaliermauern sind in ihrer materiellen geschichtlichen Substanz noch weit gehend vorhanden. Allerdings tragen diese Elemente eben deutlich die Spuren des Alters, und die gestalterischen Qualitäten sind durch vielerlei Eingriffe und natürliche Vorgänge verschleiert. So liegen die Wege unter einer Grasnarbe, die geschwungenen Säume der Gehölze sind durch Spontanvegetation verunklärt und die Weiträumigkeit der Wiesen durch Versuchspflanzungen des Botanischen Instituts verstellt. Eine sorgfältige Restaurierung könnte diese Qualitäten wieder herausarbeiten. Rekonstruktionen wären hierfür nicht notwendig.

Unter den vielen Gründen, warum Rekonstruktionen in der Denkmalpflege abzulehnen sind, seien folgende genannt:
• Rekonstruktionen unterwandern den gültigen Denkmalbegriff, der unlösbar an die historische Substanz geknüpft ist.
• Rekonstruktionen mögen in identischem Material und gleicher Konstruktionsweise die Form historischer Objekte nachbilden. Niemals aber tragen solche Nachbildungen die Spuren durchlebter Zeit, denn sie sind neu und geschichtslos.
• Rekonstruktionen blenden und verblenden mit ihrer jugendlichen Frische und Vollkommenheit, so dass authentische Denkmäler daneben verblassen.

Der Fall Patumbah-Park zeigt exemplarisch, dass Rekonstruktionen immer wieder zum Massstab genommen und so zur Konkurrenz für authentische Denkmäler werden, die dann keine Chance mehr haben, überhaupt erkannt, geschweige denn gewürdigt zu werden.

LESEPROBE 3 | 12 GÄRTEN

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Giorgio von Arb, 1952 geboren, lebt in Zürich. Ausbildung zum Fotografen an der Schule für Gestaltung Zürich, von 1981 bis 2001 Lehrtätigkeit an derselben Schule. Ab 1982 freier Fotograf mit Schwergewicht Journalismus und Public Relations, diverse themenbezogene Buchpublikationen und Künstlermonografien, ab 1996 auch Projektleitung für Ausstellungen und Kunst-am-Bau-Aufträge.

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Ansprache der Schriftstellerin Ilma Rakusa anlässlich der Vernissage Im Stadthaus Zürich, Mai 2004 (Auszug)
«Die Subjektivität gerät bei Giorgio von Arb nie zur Selbstfeier. Immer geht es ihm um die Sache, um die Feier des Gegenstands. Seine bilder laden zum Verweilen ein: zur kontemplativen Vertiefung, zur kritischen Auseinandersetzung, zum beglückenden Aha-Erlebnis. Man mag sie auf ihren Informations- , aber auch auf ihren Stimmungsgehalt hin «lesen», auf ihre ästhetische Botschaft und auf ihr «Geheimnis». Manchmal erzählen sie Geschichten, wie die wunderbare, vielfach gestaffelte Schwarzweissaufnahme von der Bäckeranlage: Vorne links ein angelehntes Fahrrad, dann eine Reihe von Holztischen und -bänken, wo Paare bei einem Drink angeregt plaudern, hinten, auf der Wiese, eine Kinderschaukel und stehende, liegende, spielende Menschen, noch weiter hinten, am Rande des Parks, kaum wahrnehmbar, die Parkbänke. Und nicht zu vergessen die Bäume, deren dichtes Laub das Licht filtert. Denn dieses Sommerbild lebt von Licht und Schatten und deren Wechselspiel. Atmosphärisch fängt es die Nuancen der Helligkeit ein – besonders schön in den «flimmernden» Baumkronen -, man glaubt aber auch die Temperatur der Luft zu spüren und die Stimmen und Geräusche zu vernehmen. Das nennt sich: suggestiver Zauber.»

Neue Zürcher Zeitung, 6. Mai 2004
«Sensibler Umgang mit historischen Grünanlagen – Zwischenbilanz der Stadtzürcher Gartendenkmalpflege
1994 hatte die Fachstelle für Gartendenkmalpflege dem Fotografen Giorgio von Arb den Auftrag erteilt, die wichtigsten schutzwürdigen Gärten der Stadt zu dokumentieren. Facettenreich hat von Arb seither die grünen Inseln in stimmungsvollen Bildern eingefangen, von denen ein Teil nun im Buch ‹12 Gärten – Historische Anlagen in Zürich› zu sehen ist. Ergänzt werden die Bilder durch Schilderungen der Gartendenkmalpflege, wie mit den Problemstellungen in den einzelnen Anlagen jeweils umgegangen wurde, sowie durch kritische Kommentare unabhängiger Experten. Das Buch schliesst mit einer Materialsammlung ab, die Informationen zu Geschichte und Gegenwart der ausgewählten Anlagen umfasst.»

Tages-Anzeiger, 13. Mai 2005
«Fotograf als ‹Arbeiter im Paradies›
Von Arbs Bilder sind keine Schnellschüsse. Über zehn Jahre hinweg erkundete er als eine Art ‹Arbeiter im Paradies› (von Arb) die Anlagen, um die sich die Fachstelle denkmalpflegerisch kümmert. Wiedererkennungseffekte bleiben nicht aus: Hier die pilzförmige Dachkonstruktion des Freibads Allenmoos, da die sich aufbäumenden Bronze-Zebras in der Bäckeranlage, dort die bis ans Wasser der Limmat hinabreichenden Äste der Ahornkolosse im Platzspitz. Totalen und Überblicksaufnahmen in streng dokumentarischer Manier sind selten; die Mehrheit der Fotografien konzentriert sich auf ein Detail, dem von Arb seinen subjektiven Stempel aufdrückt: eine weibliche Figur aus Bronze, die aus dem hohen Gras emporwächst und in ein grotesk anmutendes Zwiegespräch mit einer Lautsprecheranlage versunken scheint, oder ein vernarbter Baumstamm, vollgeritzt mit Initialen und Liebesparolen. Natur und menschlicher Gestaltungsdrang finden hier zu einer poetisch-labilen Einheit. Immer wieder gelingt es dem Fotografen, die einer Anlage eigenen Kompositionsgesetze hervortreten zu lassen und daraus ein berückendes Wechselspiel aus Formbezügen, Licht und Schatten zu komponieren.

Italienische Leuchtkäfer in Hottingen
Nebst visuellen Aha- und Oooh-Erlebnissen vermittelt das Buch aber auch eine ganze Menge Hintergründiges in Textbeiträgen, verfasst von den beiden Co-Leiterinnen der Fachstelle, Judith Rohner und Silvia Steeb, sowie von weiteren Fachleuten. Wer hätte etwa gedacht, dass an schönen Juniabenden italienische Leuchtkäfer – die einzige bekannte Population nördlich der Alpen – als kleine weisse Blinklichter um die Kreuzkirche in Hottingen tanzen? Oder dass man schon vor hundert Jahren über ‹lichtscheues Gesindel› in der Bäckeranlage klagte? Ein besonderes Angebot für Kulturbewusste und Anspruchsvolle hält der Friedhof Sihlfeld seit kurzem bereit: Damit die Totenstadt ein «lebendiger Ort» bleibe und nicht zum Museum verkomme, kann man sich für die Zeit nach dem eigenen Ableben in einer der denkmalgeschützten Grabanlagen «einmieten». Vorausgesetzt, man verfügt im Diesseits über das nötige Kleingeld.»


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