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FORTSETZUNG BUCHBESCHRIEB | 365 TAGE BUCH

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EINBLICKE | 365 TAGE BUCH

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1. Januar
Jeden Morgen stand Joukie auf und brachte ihr Leben, das über Nacht kaum merklich aus der Bahn geraten war, wieder in Ordnung.

11. Februar
«Ich bin nicht zufrieden mit dem lieben Gott", sagt sie: "Man hätte das besser machen können.»

24. März
Entschuldige, Elvira, aber in einem Golf kann ich einfach nicht küssen.

3. April
Sie: Alles oder nichts.
Er: Alle oder keine.

26. Mai
Als ich zu Hause die Quittung von der Tankstelle zusammenknülle, steht da statt dem Preis und der Anzahl Liter: "Komm, lass uns für immer von hier wegfahren."

14. Juni
Wenn die Kinder die gleichen Fehler haben wie die Eltern, gilt die Erziehung in der Regel als abgeschlossen.

7. Juli
Immanuel Kant stand im Tiergarten von Königsberg vor einer Giraffe, sah sie wieder und wieder an und sagte: "So ein Tier gibt es nicht."

29. August
In einem Zimmer ohne Papierkorb kann ich nicht arbeiten. Ich habe dann das Gefühl, alles muss gleich beim ersten Mal gelingen.

5. September
Mein Lächeln reicht auch noch für die Person hinter ihr, die nun zurücklächelt, aber da bin ich schon vorbei, so dass es den hinter mir trifft, der nun seinerseits lächelt, und so geht eine Welle des Lächelns unbeabsichtigt durch die Stadt.

25. Oktober
"Warst Du eigentlich schon mal in Berlin?" – Franz denkt nach. "Nein. Ich bin an vielen Orten noch nie gewesen. Ich habe mir immer nur Autos gekauft, aber ich bin eigentlich nie irgendwo hingefahren damit."

19. November
Es lag Schnee, und die dünne Luft wehte in kurzen, harten Stössen. Ich war allein auf dem Mond. Ich schritt über das Eis, das unter meinen Füssen splitterte, und sah zum Himmel. Etwas fehlte. Ich trat an den Rand und schaute auf die Welt hinab. Wie das alles schlief und keine Angst hatte.

3. Dezember
Beim Näherkommen merkten wir, dass gar nicht so viele Leute in der Bar waren, wie es von weitem den Anschein gemacht hatte, genau besehen war gar niemand mehr da, bloss die Mäntel hingen noch rum, aber die Bar war schon zu, und es war auch gar keine Bar, sondern ein Kleidergeschäft.

LESEPROBEN | 365 TAGE BUCH

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Beat Gloor hat als Programmierer, als Hausangestellter, als Lehrer, als Pianist, als Lektor und als Texter/Konzepter gearbeitet. Er betreibt eine Sprachagentur in Zürich und lebt in Baden.

AUTOR | 365 TAGE BUCH

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Aargauer Zeitung, August 2002, Markus Bundi
«Im neuen Buch erweist der 43-jährige Autor erneut als Meister seines Fachs, schaut den Worten wiederum sehr genau auf die Buchstaben und darauf, was Menschen damit anstellen. Doch das Spektrum ist breiter geworden. Gloor zeigt erstmals auch seine poetische Seite, streut Haikus in die Tage und weiss eine Reihe Kürzestgeschichten aus dem Alltag lakonisch und pointiert zu erzählen. ‹Die Tage gehen vorüber und klopfen mir nur noch nachlässig auf die Schulter›, lautet eine der 366 Miniaturen, die zugleich dem neuen Buch seinen Titel gibt. In der Tat ist dieses Buch der Tage kaum mit etwas Bestehendem zu vergleichen; es ist Nachschlagewerk, Kompendium, Lesebuch, Zettelkasten, Tagebuch, Kalender und Agenda in einem.
Die durchgängige Perforierung inmitten des Buches lädt zum Abreissen der einzelnen Tage ein – doch wäre das dem vom Zürcher Kontrast-Verlag kongenial gestalteten Buch Gewalt angetan. Die Einladung zum Herausreissen kommt Franz Hohlers Aufforderung der 1974 erstmals veröffentlichten ‹Wegwerfgeschichten› gleich: man lächelt, liest und geniesst – da wird weder was weggeworfen noch was herausgerissen.»

ECHO | 365 TAGE BUCH

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