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«kontrast» ist ein Verlag. Und eine Atelier-Gemeinschaft in Zürich, bestehend aus Journalistinnen und Fotografen. Die Verbindung scheint äusserst fruchtbar:

Selbständige Bücher

Bücher, die hier entstehen, werden regelmässig ausgezeichnet, kokettieren mit Kultbuch-Status und haben zuweilen sogar die Tendenz, sich zu verselbständigen.

kontrast verlag
Martin Peer
Ursi Schachenmann
Koni Nordmann
(Foto: Giorgio von Arb)
 

«Die Tage gehen vorüber und klopfen mir nur noch nachlässig auf die Schulter»: So nennt sich das zweite Buch des in Baden lebenden Sprachkünstlers Beat Gloor, erschienen bei Kontrast. Es ist vermutlich ein nicht ganz untypisches Verlagsprodukt: mehr Agenda denn Buch, herstellungstechnisch äusserst aufwändig produziert, dabei inhaltlich witzig, tiefgründig, absurd und zuweilen absichtlich auch banal. Nicht festzulegen also in keiner Kategorie, weder inhaltlich, formell oder im Gebrauch. Und zudem ein Produkt, das zum Tabubruch auffordert: Reinschreiben soll man in dieses Buch, und auch «zerstören» soll man es: Die Seiten wurden perforiert, damit man Gloors Sprüche, seine Aphorismen und Kalauer herausreissen kann - um sie beispielsweise weiterzuverschenken.
Für Bücher solcher Machart gibt es eigentlich nur zwei dankbare Schicksale: Entweder sie werden von hilflosen Buchhändlern umgehend wieder remittiert, oder sie erhalten Kultstatus und führen fortan ihr Eigenleben. Beides ist mit Büchern von «kontrast» schon passiert - so erzählt Ursi Schachenmann, die neben Koni Nordmann und Martin Peer den Verlag führt. Mit Beat Gloors Ersterscheinung «staat sex amen» geschah zum Glück Letzteres: Die Verkäufe dümpelten erst vor sich hin, dann aber plötzlich führte die Mund-zu-Mund-Propaganda zu einem nachhaltigen Run: Inzwischen ist auch die dritte Auflage fast verkauft, und das buch wurde 1999 im Wettbewerb der Schönsten Schweizer Bücher ausgezeichnet.

«Es ist eine Teamgeschichte»

Dass «kontrast» nach zwölf Jahren Ateliergemeinschaft vor fünf Jahren verlegerisch tätig wurde, hat sich - typisches Verlegerschicksal? - einfach so ergeben. «Wir suchten eine Plattform für eines unsere Projekte, und plötzlich waren wir Verleger» erzählt Koni Nordmann. «Dabei war sofort klar: Wenn wir das tun, dann machen wir es richtig und geben dem Ganzen klare Strukturen.» Inhaltlich haben sich inzwischen zwei Schwerpunkte herauskristallisiert: Fotografie in Verbindung und Dokumentationen sowie «Sprach-Kunst-Bücher» wie jene von Beat Gloor - Bücher von Menschen, die einen künstlerischen Zugang zur Sprache haben. Trotzdem: Die Gründung des Verlages geschah nicht einfach aus Mangel an geeigneten Plattformen für diese Art von Bücher: «Es ist eine Teamgeschichte», erklärt Koni Nordmann. Das buch ist so gesehen nur eines der möglichen Mittel, um Inhalte zu vermitteln. Ausstellungen wie beim Buch «Khadi - Ein feines Tuch» können eine anderes sein - die Möglichkeiten bleiben offen. Im Vordergrund steht das Netzwerk des Ateliers, dass immer wieder neue Formen der Vermittlung und des Ausdrucks entstehen lässt.
Und so kann es auch, wie diesen Frühling, durchaus einmal sein, dass eben kein Halbjahresprogramm vorliegt, wenn die strengen Branchenregeln danach rufen. Die geplanten Projekte dauern diesmal länger, und man produziert «lieber weniger, dafür mit grosser Sorgfalt und genügend Zeit» wie Ursi Schachenmann meint. Dafür, bleibt zu ergänzen, ist dann auch die Halbwertszeit der Titel im Regelfall längern als anderswo.

Angelika Rodlauer, Schweizer Buchhandel 4/2003


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